Rückblick auf die Veranstaltungen eines jungen Ensembles

Ein Jugendensemble für Neue Musik mit einem Archiv? Das klingt zunächst merkwürdig und wie ein Widerspruch. Aber trotz seiner jungen Geschichte - das Ensemble wurde 2013 gegründet - kann das Landesjugenensemble Neue Musik bereits auf ein beachtliches Repertoire mit Uraufführungen, deutschen Erstaufführungen und Werken, die extra für das Jugendensemble komponiert wurden, verweisen.

Um die Schätze seiner Werkhistorie zu erhalten, haben wir hier für das Ensemble ein Archiv aller Konzertauftritte und Programme eingerichtet.

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23. Mai 2017 Konzert beim Festival aDevantgarde in München

Das Landesjugendensemble Neue Musik gastierte erstmalig im Konzert "Aufbruch 1" mit dem Programm seiner Frühjahrsarbeitsphase in München beim Festival aDevantgarde.14:

Aufbruch 1: Landesjugendensemble Neue Musik Berlin

Dienstag, 23. Mai 2017, 20 Uhr, Bayerische Akademie der Schönen Künste, Max-Joseph-Platz 3, 80539 München

Landesjugendensemble Neue Musik Berlin
Musikalische Leitung: Jobst Liebrecht, Gerhard Scherer
Gesang: Natalia Pschenitschnikowa

Programm: 
Sergej Newski (*1972): J'étais d'accord... für Stimme, Kammerensemble und elektronische Zuspielung (2000)
Katharina Susanne Müller (*1994): Chat / Gebet (2017, Uraufführung)
Johannes Xaver Schachtner (*1985): meta/morph I-VI. Etüden für kleines Ensemble (2016/17, Uraufführung des sechsten Satzes "Jumble")
György Ligeti (1923-2006): Kammerkonzert für 13 Instrumentalisten (1969/70)

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12. März 2017 Konzert im Werner-Otto-Saal des Konzerthauses Berlin

Zu hören war u.a. György Ligetis Kammerkonzert für 13 Instrumentalisten. Die Aufführung von Ligetis Werk ist eine große spieltechnische Herausforderung, an die sich nicht viele Jugendensembles heranwagen.

Erstmalig in seiner vollständigen Fassung mit Chor und somit als Uraufführung spielte das Landesjugendensemble Helmut Zapfs „einwärts / im Wind ertrunken“, ein gleichermaßen expressives und sensibles Werk zur Flüchtlingstragödie.

Außerdem standen auf dem Programm: „J'étais d’accord“ („Ich war bereit“) von Sergej Newski und „Woven Tracks“ von Jaslyn Robertsen.

In Newskis nach eigener Aussage radikalstem Stück – es nimmt Bezug auf eine Äußerung Michel Foucaults, er wäre in einem bestimmten Moment seines Lebens gleichermaßen mit Leben oder Tod einverstanden gewesen - wirkte die international renommierte Stimmkünstlerin Natalia Pschenitschnikova mit, die schon die Uraufführung sang. Die australische Komponistin Jaslyn Robertson war berreits im Herbst 2016 zu Gast in Berlin. „Woven Tracks“ wurde von ihr eigens für das Landesjugendensemble komponiert.

Sonntag, 12. März 2017, 20 Uhr

Konzerthaus Berlin, Werner-Otto-Saal, Gendarmenmarkt, 10117 Berlin

Programm:

György Ligeti (1923-2006): Kammerkonzert für 13 Instrumentalisten (1969/70)
Sergej Newski (*1972): „J‘étais d‘accord…” für Stimme, Kammerensemble und elektronische Zuspielung (2000)
Jaslyn Alexandra Robertson (*1996): „Woven Tracks“ (2016)
Helmut Zapf (*1956): „windwärts/im Wind ertrunken“ (2016, Uraufführung der vollständigen Fassung)

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14. November 2016 Konzert in der Tischlerei der Deutschen Oper

Im Herbst 2016 stand erstmalig ein australisch-deutsches Programm im Mittelpunkt der Arbeitsphase. Am 14. November spielte das Landesjugendensemble Neue Musik ein Konzert in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin im Rahmen des Festivals "Klangwerkstatt", die 2016 unter dem Motto "Doppelungen" stand. Das Landesjugendensemble stellte ein Programm vor, das zu gleichen Teilen aus australischen und deutschen Beiträgen bestand - und natürlich waren auch im Herbstprogramm wieder Uraufführungen dabei, u.a auch ein Auftragswerk des Landesmusikrats Berlin von Helmut Zapf:

aus Australien:
Thomas Reiner (*1959): Sweet Spots (2006) 
Ralph Whiteoak: Two Staring Eyes Out Of The Fog (2015/16, Uraufführung der Neufassung) 
Jaslyn Robertson: Woven Tracks (2016, Uraufführung)

aus Deutschland: 
Helmut Zapf (*1956): windwärts (2016, Uraufführung) 
Friedrich Goldmann (1941-2009): Drei Ensembleszenen (2002) 
Fabian Zeidler (*1991): Mind The Gaps (2014/15)

Es spielten außerdem die Sonderpreisträger von Jugend musiziert Emilie Roy und Oliver Uszynski Werke von Katia Tchemberdji und Oliver Uszynski.

Das Konzert war eine Kooperation zwischen der Deutschen Oper Berlin, der Klangwerkstatt und dem Landesmusikrat Berlin sowie der Monash University in Melbourne. Thomas Reiner ist dort Associate Professor und Coordinator of Music Composition, Jaslyn Robertson und Ralph Whiteoak sind Kompositionsstudenten der University.

Probentermine:
18. September (nachmittags) 
30. September (nachmittags/abends) 
1., 2. und 3. Oktober 
11. (nachmittags/abends), 12. und 13. November

Die Proben fanden in Berlin-Mitte und Berlin-Neukölln statt.

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5. März 2016 Konzert im Konzerthaus Berlin

Konzert der 7. Arbeitsphase des Landesjugendensembles Neue Musik Berlin Samstag, 5. März 2016, 20 Uhr, Werner-Otto-Saal, Konzerthaus Berlin

Die 7. Arbeitsphase des Landesjugendensembles Neue Musik Berlin fand im Zeitraum 30. Januar - 5. März 2016 statt. Im Konzert am 5. März im Werner-Otto-Saal des Konzerthauses wurden die Ergebnisse präsentiert. Das Ensemble bot wieder fortgeschrittenen Schüler_innen und Musiktudent_innen die einmalige (kostenlose) Gelegenheit, die Stücke nicht nur mit den Dirigenten, sondern auch mit den Komponisten selbst auf den Proben zu erarbeiten. Helmut Lachenmann war anwesend, Stefan Streich und Elena Mendoza ebenso!

Zum 80. Geburtstag des großen deutschen Komponisten im letzten Jahr hatten wir ein nachträgliches Geburtstagskonzert mit Musik von Helmut Lachenmann und der in Berlin lebenden Komponisten Elena Mendoza und Stefan Streich zusammengestellt.

Die Berliner Morgenpost berichtete in ihrer Ausgabe vom 8. März 2016 über das Konzert: Artikel "Ein Komponist führt die Werkzeuge fürs Schrille vor" von Matthias Nöther.

Musikalische Leitung: Jobst Liebrecht, Gerhard Scherer

Solisten: 
Jonas Kämper (Bassflöte)
Lina Däunert (Viola) 
Hugo Rannou (Violoncello)

Programm:
Helmut Lachenmann (*1935): Notturno (Musik für Julia) für kleines Orchester mit Violoncello-Solo (1966-68)
Violoncello Solo: Hugo Rannou
Das Stück wird zunächst kommentiert und unterbrochen vom Komponisten aufgeführt, um die Ohren der Zuhörenden zu öffnen und dann von Anfang bis Ende an einem Stück gespielt.

Elena Mendoza (*1973): Dort, doch auch, nicht, vielleicht für 13 sprechende Instrumentalisten in fünf Gruppen, unter Verwendung eines Gedichtes von Hans Magnus Enzensberger (2002/03)

Stefan Streich (*1961): Ritorno Grosso für Bassflöte, Viola und Kammerochester (2007/2012/2015, UA der Neufassung, einer Auftragsarbeit des Landesmusikrats Berlin) 
Bassflöte Solo: Jonas Kämper
Viola Solo: Lina Däunert

Ensemble: Elias Adelson, David Albrecht, Henrike von Baeyer, Maya Chami, Marlene Compton, Julius Deckelmann, Peer Donath, Jakob Douvier, Moritz Düwel, Heinrich Eißmann, Fanny Goldmann, Benjamin Hellmundt, Milena Hoge, Marika Ikeya, Svenja Kaepernick, Leopold Kern, Raphael Kopp, Sebastian Lange, Frederick Majewski, Jona Mehlitz, Reiko Mori, Malin Sieberns, Daniel Stadtfeldt, Luca Staffiere, Charlotte Templin, Anton Thelemann, Dan Thiele, Lucas Tiefenthaler, Viet Anh Tran, Rebekka Wagner, Reto Weiche, Oliver Uszynski, Maxim Zhdanov; Adam Goodman 

Konzertflyer als Download

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15. November 2015 Konzert Klangwerkstatt im Kunstquartier Bethanien

Konzert des Landesjugendensembles Neue Musik Berlin Sonntag, 15. November 2015, 15 Uhr, Klangwerkstatt, Kunstquartier Bethanien, Studio 1, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

Musikalische Leitung: Gerhard Scherer und Jobst Liebrecht

Solist: Juri de Marco (Panoramahorn)

Programm:
Matthias Kaul (*1949): Konzert für Panoramahorn und Ensemble (UA, 2015)
Georg Katzer (*1935): La scuola dell’ascolto 2 (2014)
Jobst Liebrecht (*1965): An ordinary lesson (2015)
Fabian Zeidler (*1991): Mind the Gaps (UA, 2014/15)

Ensemble: Elias Adelson, Katharina Althammer, Peer Donath, Pia Duderstadt, Heinrich Eißmann, Vitus Guretzki, Benjamin Hellmundt, Sören Klages, Raphael Kopp, Sebastian Lange, Leonie Lechle, Christoph Lindner, David Osten, Max Raum, Malin Sieberns, Luca Staffiere, Charlotte Templin, Anton Thelemann, Viet Anh Tran, Oliver Uszynski, Katarina Vowinkel, Reto Weiche, Maxim Zhdanov 


 

Die Komponisten über ihre Werke

Matthias Kaul zu Konzert für Panoramahorn und Ensemble

Die Idee, ein Blasinstrument mit mehreren Schalltrichtern zu versehen, ist nicht neu. Vielleicht ist nicht einmal der Name „Panoramahorn“ neu. Es ist auch nicht  neu, „unpassende“ Mundstücke für ein Instrument zu benutzen. Die Idee, ein Stück für Horn und andere Instrumente zu schreiben, ist auch nicht von mir und neu ist  so ein solches Vorhaben schon gar nicht. Also, es handelt sich bei diesem Stück um lauter durchaus gebräuchliche  Materialien,  die  allerdings in den heißesten Tagen dieses Jahres auf einander losgelassen wurden. Ich denke, das kann man hören. (Matthias Kaul, 2015)

Fabian Zeidler zu Mind the Gaps

Nicht zuletzt inspiriert durch die Fahrt mit der Londoner Tube, galt mein Interesse in dem Stück der Auseinandersetzung mit verschiedenen musikalischen Interpretationen der Bedeutungen des Wortes Lücke in Zusammenhang mit Kontrast und Konvergenz auf akustischer und optischer Ebene - Mind the Gaps! (Fabian Zeidler 2015)

Jobst Liebrecht zu An ordinary lesson – Hommage à Paul Hindemith

INTRADA – CHORUS - SINFONIA/CONCERTINO - THE TEACHER´S DANCE - THE FAREWELL

In dem Stück “An ordinary lesson” für Kammerensemble beziehe ich mich auf humoristische Weise auf die elementare Musiklehre des großen Komponisten-Pädagogen Paul Hindemith (1895-1963). Eine gewöhnliche (oder auch ungewöhnliche?) Schulstunde findet statt - vor dem inneren Auge/Ohr und auf der Bühne! (Jobst Liebrecht 2015)

Georg Katzer zu La scuola dell’ascolto 2 aus „Le scuole dell`ascolto 1 – 3“

In den Jahren 2014/2015 habe ich mehrere Stücke für junge Musiker komponiert, denen ich zusammenfassend diesen Titel gab. Das Ziel der Arbeiten war, junge Musiker an Neue Musik heranzuführen, sie vor durchaus anspruchsvolle Aufgaben zu stellen, ohne sie durch übernotierte Partituren zu verschrecken. Angedacht war vor allem in den Ensemblestücken das spieltechnische Niveau von Studienbewerbern. Spieltechnisch wird von ihnen schon einiges verlangt; ich konnte aber feststellen, dass durch die geduldige Arbeit von Dirigenten wie Gerhard Scherer, Jobst Liebrecht oder Jurij Lebedev die Werke erfolgreich aufgeführt werden konnten, zum berechtigten Stolz der jungen Musiker. Kompositorisch hatte ich mir bei allen Stücken die Aufgabe gestellt, mit einem begrenzten Tonvorrat auszukommen, was besonders in den größer angelegten Stücken wie dem Orchesterwerk deutlich ist. Es werden hauptsächlich nur vier Töne im Ambitus einer kleinen Terz verwendet und dazu noch ein Ton im Tritonusabstand. Randbemerkung: Diese obskur klingende Info ist für jene bestimmt, die mit (Bank-?) Noten umzugehen gewohnt sind, sie ist aber für das Musikverstehen nicht eigentlich wichtig. Ganz bewusst habe ich die Stücke mit die Spielfreude anfachendem rhythmischen Drive versehen und auf formale Extravaganzen verzichtet. Das Werk entstand im Auftrag der Musikschule Paul Hindemith Neukölln. (Georg Katzer 2015)

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14. November 2015 Konzert in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin

Konzert des Landesjugendensembles Neue Musik Berlin Samstag, 14. November 2015, 20 Uhr, Tischlerei der Deutschen Oper Berlin

Musikalische Leitung: Gerhard Scherer und Jobst Liebrecht

Solistinnen und Solisten: Juri de Marco (Panoramahorn), Niva Eshed-Frenkel (lyrischer Koloratursopran), Eva Friedrich (Sopran), Katharina Löwe (Sopran), Karina Repova (Mezzosopran)

Programm:
Matthias Kaul (*1949): Konzert für Panoramahorn und Ensemble (UA, 2015)
Steve Reich (*1936): Tehillim (1981)
Jonas Kämper (*1998): the conclusion came late (UA, 2015)
Georg Katzer (*1935): La scuola dell’ascolto 2 (2014)
Ensemble: Ebenen 1 - Eine Kontakt-Improvisation (UA)
Jobst Liebrecht (*1965): An ordinary lesson (2015)

Ensemble: Elias Adelson, Katharina Althammer, Antoine Boecker, Peer Donath, Pia Duderstadt, Heinrich Eißmann, Vitus Guretzki, Jonas Kämper, Sören Klages, Raphael Kopp, Sebastian Lange, Leonie Lechle, Christoph Lindner, Jonathan Maier, Lilli Matzker, Lisa Mellin, Reiko Mori, David Osten, Felix Rastemborski, Luise Rastemborski, Max Raum, Malin Sieberns, Luca Staffiere, Charlotte Templin, Paula Tennstedt, Anton Thelemann, Viet Anh Tran, Katarina Vowinkel, Rebekka Wagner, Reto Weiche, Maxim Zhdanov

sowie: Maha Abbushi, Havin Aslan, Feline Babajanyan, Ammar Celik, Amraa Davaa, Ariunaa Davaa, Yahuda Düerkop, Paul Hatscher, Valentin Karow, Yildirim Kemal, Mathilda von Klot-Heydenfeldt, Lukas Kobert, Ylva Lafrenz, Leon Michael Loredo, Anatol Majoros, Kian Martin, Sajed Mehanna, Nikolaj Meyer, Max Morgenbesser, Paul Morgenbesser, Armajan Öztürk, Clara Rastemborski, Ahmed Remmo, Kate Retzlaff, Uschtrin Rifka, Alina Rügert, Anton Rügert, Nisa Sahin, Tiama Sarkis, Isabel Sava, Joseph Scheller, Valentin Schütz, Malena Sieper, Elena Marie Sosa Pérez, Chanel Taki, Jorina Tharmann, Hugo Thierbach, Jasper Thorwest, Emma Weigelt, Thomas Yilin Zhang 


 

Programmzettel der Deutschen Oper Berlin

Junge Musiker schon vor dem Hochschulstudium sowohl an die Werke der klassischen Moderne wie auch an die Werke der Gegenwart heranzuführen, war die wichtigste Motivation, die 2013 zur Gründung des Landesjugendensembles Neue Musik führte. Bereits zum dritten Mal kommt das Ensemble jetzt mit seinem Projekt in die Tischlerei der Deutschen Oper Berlin. Die beiden Initiatoren, die Komponisten und Performer Jobst Liebrecht und Gerhard Scherer, erarbeiten auch dieses Jahr mit den jugendlichen Instrumentalisten ein ungewöhnliches Programm mit zwei Uraufführungen und zwei Werken von lebenden Komponisten der älteren Generation.

Matthias Kaul, der für die Junge Deutsche Oper bereits ein Mobiles Musiktheater mit dem Titel KUCKUCK IM KOFFER geschrieben hat, schreibt im Auftrag des Ensembles ein neues kammermusikalisches Werk, in dem das Horn - Instrument des Jahres 2015 - eine große Rolle spielt. Von Jonas Kämper, Schüler des Gymnasiums Steglitz, kommt ein Werk zur Uraufführung, das bereits einen Preis gewonnen hat, "the conclusion camne late". Damit errang der junge Komponist den ersten Preis in der Kategorie der 16- bis 19-Jährigen beim luxemburgischen Wettbewerb "Artistes en Herbe".

Diesen Uraufführungen stehen zwei Kompositionen gegenüber, die von zwei knapp 80-jährigen Komponisten stammen, die gegensäztlicher nicht sein könnten: Steve Reich ist einer der profiliertesten amerikanischen Komponisten, denen das Label "minimalism" zugeschrieben wurde. Vom "free jazz" der 50er Jahre inspiriert kreierten diese Musiker einen neuen Klassikstil, der wesentlich auf Wiederholung und Variation kleinster musikalischer Motive basiert. Von Steve Reich wird TEHILLIM aufgeführt, ein vokalkammermusikalisches Werk, mit dem Reich 1981 mit Psalmtexten jüdische Überlieferung reflektierte. Stilistisch ganz anders verortet ist Georg Katzer, dessen Oper ANTIGONE ODER DIE STADT 1989 an der Komischen Oper Berlin uraufgeführt wurde. Er gehört zur musikalischen "Avantgarde", zu den Komponisten, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland wesentlich das bestimmten, was "Neue Musik" genannt wurde. "La scuola dell'ascolto" ("Die Schule des Hörens") spielt im Titel auf den Spätstil von Luigi Nono an, der sein letztes großes dramatisches Werk, PROMETEO, mit dem Untertitel "Tragedia dell'ascolto" ("Tragödie des Hörens" oder "Tragödie zum Hören") versah.


 

Die Komponisten über ihre Werke

Matthias Kaul zu Konzert für Panoramahorn und Ensemble

Die Idee, ein Blasinstrument mit mehreren Schalltrichtern zu versehen, ist nicht neu. Vielleicht ist nicht einmal der Name „Panoramahorn“ neu. Es ist auch nicht  neu, „unpassende“ Mundstücke für ein Instrument zu benutzen. Die Idee, ein Stück für Horn und andere Instrumente zu schreiben, ist auch nicht von mir und neu ist  so ein solches Vorhaben schon gar nicht. Also, es handelt sich bei diesem Stück um lauter durchaus gebräuchliche  Materialien,  die  allerdings in den heißesten Tagen dieses Jahres auf einander losgelassen wurden. Ich denke, das kann man hören. (Matthias Kaul, 2015)

Steve Reich zu Tehillim

TEHILLIM (ausgesprochen „Te-hill-lim“) ist das ursprüngliche hebräische Wort für „Psalme“. In der wörtlichen Übersetzung bedeutet es „Lob“ und stammt aus einer aus drei hebräischen Buchstaben bestehenden Wurzel, he, lamed, lamed (HLL), die ebenfalls die Wurzel des Wortes hallelujah ist.

(...)

Die Tamburine ohne Schellen sind vielleicht den kleinen Trommeln ähnlich, die in Psalm 150 und an mehreren anderen Bibelstellen (...) genannt werden. Händeklatschen wie auch Ratschen waren im ganzen Mittleren Osten während der biblischen Zeit gebräuchlich, ebenso wie kleine gestimmte Becken. Darüber hinaus gibt es in TEHILLIM keine musikhistorischen Inhalte. Keine jüdischen Themen wurden irgendwelchem melodischen Material zugrunde gelegt. Einer der Gründe, warum ich Psalme im Gegensatz zu Teilen der Torah oder der Propheten wählte, ist der Umstand, dass eine mündliche Überlieferung für das Singen von Psalmen unter den westlichen Juden verlorengegangen ist. (Die jemenitischen Juden haben sie bewahrt.) Das bedeutet, dass im Gegensatz zu der Singweise der Torah oder der Propheten, die seit 2500 Jahren in allen Synagogen der Welt mündlich überliefert wird, die Überlieferung für das Singen von Psalmen in den westlichen Synagogen verlorengegangen ist. Das heißt wiederum, dass ich frei war, Melodien zu komponieren, ohne eine lebendige, mündliche Überlieferung entweder nachzuahmen oder zu ignorieren.

Im Gegensatz zu den meisten meiner früheren Arbeiten ist TEHILLIM nicht in kurzen, sich wiederholenden Motiven komponiert. Obwohl eine ganze Melodie entweder als Gegenstand eines Kanons oder einer Variation wiederholt werden mag, ist diese Musk tatsächlich dem, was man in der gesamten Geschichte westlicher Musik findet, näher.

Während der vierteilige Kanon im ersten und letzten Satz manche Zuhörer vielleicht an meine frühen Tonbandstücke IT’S GONNA RAIN und COME OUT erinnern wird, die aus kurzen gesprochenen Phrasen, welche immer wieder in engem Kanon wiederholt werden, bestehen, macht TEHILLIM auf die meisten Zuhörer wahrscheinlich einen anderen Eindruck als meine früheren Werke. Es gibt kein festes Metrum oder metrische pattern in TEHILLIM wie in meiner früheren Musik. Der Rhythmus der Musik leitet sich direkt vom Rhythmus des hebräischen Textes ab und findet daher in flexiblen, ständig wechselnden Takten Eingang. Dies ist das erste Mal seit meiner Studienzeit, dass ich einen Text vertont habe, und das Resultat ist ein Stück, das auf Melodie im grundsätzlichen Sinne des Wirtes aufgebaut ist.

(Steve Reich, 1981)

Jobst Liebrecht zu An ordinary lesson – Hommage à Paul Hindemith

INTRADA – CHORUS - SINFONIA/CONCERTINO - THE TEACHER´S DANCE - THE FAREWELL

In dem Stück “An ordinary lesson” für Kammerensemble beziehe ich mich auf humoristische Weise auf die elementare Musiklehre des großen Komponisten-Pädagogen Paul Hindemith (1895-1963). Eine gewöhnliche (oder auch ungewöhnliche?) Schulstunde findet statt - vor dem inneren Auge/Ohr und auf der Bühne! (Jobst Liebrecht 2015)

Georg Katzer zu La scuola dell’ascolto 2 aus „Le scuole dell`ascolto 1 – 3“

In den Jahren 2014/2015 habe ich mehrere Stücke für junge Musiker komponiert, denen ich zusammenfassend diesen Titel gab. Das Ziel der Arbeiten war, junge Musiker an Neue Musik heranzuführen, sie vor durchaus anspruchsvolle Aufgaben zu stellen, ohne sie durch übernotierte Partituren zu verschrecken. Angedacht war vor allem in den Ensemblestücken das spieltechnische Niveau von Studienbewerbern. Spieltechnisch wird von ihnen schon einiges verlangt; ich konnte aber feststellen, dass durch die geduldige Arbeit von Dirigenten wie Gerhard Scherer, Jobst Liebrecht oder Jurij Lebedev die Werke erfolgreich aufgeführt werden konnten, zum berechtigten Stolz der jungen Musiker. Kompositorisch hatte ich mir bei allen Stücken die Aufgabe gestellt, mit einem begrenzten Tonvorrat auszukommen, was besonders in den größer angelegten Stücken wie dem Orchesterwerk deutlich ist. Es werden hauptsächlich nur vier Töne im Ambitus einer kleinen Terz verwendet und dazu noch ein Ton im Tritonusabstand. Randbemerkung: Diese obskur klingende Info ist für jene bestimmt, die mit (Bank-?) Noten umzugehen gewohnt sind, sie ist aber für das Musikverstehen nicht eigentlich wichtig. Ganz bewusst habe ich die Stücke mit die Spielfreude anfachendem rhythmischen Drive versehen und auf formale Extravaganzen verzichtet. Das Werk entstand im Auftrag der Musikschule Paul Hindemith Neukölln. (Georg Katzer 2015) 

Gerhard Scherer zu Ebenen 1. Eine Kontakt-Improvisation

Ebenen werden begangen und zum Klingen gebracht. Es begegnen einander durch Nutzung einfacher Gegenstände erzeugte Grundsounds und differenzierte Instrumentalklänge, erzeugt von hochbegabten und geübten jungen InterpretInnen. Die Klänge werden an den verschiedensten Stellen im Raum erzeugt, hoch oben, an den Seiten, weit hinten, ganz vorne, nah und fern. Sphärisches Gleiten erklingt ebenso wie grundständiges Wummern. Alle Klänge sind direkt und ganz nah am Menschen und aus ihm herausströmend. Alle folgen einem Ablaufplan und einem die Verläufe beeinflussenden Dirigat. Vage und unvorhersehbar bleibt dennoch vieles. Es handelt sich um ein Experiment, auch für das Landesjugendensemble Neue Musik Berlin und die mutigen Schüler der Moabiter Grundschule in der Paulstraße. (Gerhard Scherer 2015)

Jonas Kämper zu the conclusion came late 

Das Stück ist im Wesentlichen vom Begriff der Kausalität inspiriert. Das Werk beschäftigt sich in seinen ineinandergreifenden Abschnitten mit musikalischen Gedanken, die einander ablösen, ineinander verschmelzen, sich wiederholen, sich verwandeln und so eine strukturelle musikalische Kausalkette bilden. Diese lässt in ihrer Entwicklung eine Vielzahl an unterschiedlichen instrumentenspezifischen Klangfarben entstehen und löst sich schließlich in der Konklusion auf.  Der Titel erklärt sich also aus eben diesem oft schwerfälligen und zähen Prozess einer auf Zusammenhängen und Verbindungen basierenden musikalisch motivischen Entwicklung. (Jonas Kämper 2015)

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8. Mai 2015 Konzert in der Akademie der Künste Berlin

Konzert des Landesjugendensembles Neue Musik Berlin Freitag, 8. Mai 2015, 20 Uhr, Akademie der Künste, Studio, Hanseatenweg

Musikalische Leitung: Gerhard Scherer und Jobst Liebrecht

Bennet von Knobloch-Droste, Sprecher

Programm: 
Hanns Eisler (1898-1962): Suite für Orchester Nr. 3 op. 26 aus der Musik zum Film „Kuhle Wampe“ (1931)
Louis Andriessen (*1939): Workers Union, symphonic movement for any loud-sounding group of instruments/for variable ensemble (1975)
Aus dem Repertoire des Sogenannten Linksradikalen Blasorchesters (1976-1981):
- Rolf Riehm/Peter Paul Zahl: Der Anwalt des Schreckens (1977)
- Heiner Goebbels/nach einem Interviewtext mit Michael Kühnen: Ohne dass ich sagen würde, ich bin der neue Führer (1980) | Bennet von Knobloch-Droste, Sprecher
Francesco Filidei (*1973): I funerali dell’anarchico Serantini, Version für sechs Spieler (2006)

Eine Veranstaltung der Akademie der Künste


Auf Einladung der Akademie der Künste spielt das Landesjugendensemble Neue Musik Berlin am 8. Mai zum ersten Male ein Konzert im Studio am Hanseatenweg. Der revolutionäre Aufbruch in den 1960/70er Jahren, wie ihn die Ausstellung KUNST FÜR ALLE der Akademie der Künste thematisiert, erfasste auch die Musik jener Zeit. Es entstanden Gruppen und Konzepte, die Musik und Politik neu verknüpften. Ihr Aktionsfeld war die Straße, waren Demonstrationen, Protestveranstaltungen, Feste; ihr Terrain ein demokratisiertes Kunstverständnis, jenseits des bürgerlichen Konzertsaals, mit offenen Zugangsschleusen für Improvisation, Jazz, Arbeiterlieder, Folklore. „Musik für alle“ setzt einige der damaligen Entwicklungen wieder in Betrieb.

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2. Mai 2015 Konzert im Konzerthaus Berlin

Konzert des Landesjugendensembles Neue Musik Berlin Samstag, 2. Mai 2015, 20 Uhr, Konzerthaus Berlin, Werner-Otto-Saal

Musikalische Leitung: Gerhard Scherer und Jobst Liebrecht

Solisten:
Sebastian Lange, Saxophon
Jara Elena Egen, Harfe 
Annemarie Müskes, Gitarre
Andión Fernández, Mezzosopran
Matias de Oliveira Pinto, Violoncello 
Moritz Beyer, Trompete
Jonas Kämper, Querflöte
Jonas Harksen, Piano

Programm:
Reinhard Lippert (*1951): URBA MEDI (2015) | Sebastian Lange, Saxophon; Jara Elena Egen, Harfe 
Marek Pasieczny (*1980): Scintilla: After Arvo Pärt (2012) | Annemarie Müskes, Gitarre
Jeffrey Ching (*1965): Celestial-Infernal Grand Nuptial Rite für Mezzosopran, Violoncello und Begleitung ad libitum (2013/14 - Uraufführung) | Andión Fernández, Mezzosopran; Matias de Oliveira Pinto, Violoncello
Otto Ketting (*1935): Intrada (1958) | Moritz Beyer, Trompete
Jonas Kämper (*1998): Contrasts (2012) | Jonas Kämper, Querflöte
Moritz Eggert (*1965): Goldberg spielt für Klavier und Ensemble (2000) | Jonas Harksen, Piano

Ein Konzert in Kooperation mit dem Konzerthaus Berlin


Die Hochzeit von Himmel und Hölle, jene fantastisch mystische Dichtung von William Blake um 1800, inspirierte den in Berlin lebenden britisch-chinesischen Komponisten Jeffrey Ching (*1965) zu seinem „Celestial-Infernal Grand Nuptial Rite“. Dessen Uraufführung präsentiert das Landesjugendensemble Neue Musik am 2. Mai im Konzerthaus. In sieben ineinander übergehenden Sätzen, deren Titel William Blakes Dichtung entstammen, formt Ching musikalisch und dramaturgisch eine äußerst subtile und feingliedrige Szene. Die zwei professionellen SolistInnen und das Orchester gehen raffiniert eine enge klangliche Partnerschaft ein. „Die jugendlichen Orchestermitglieder improvisieren nach feinsten Vorgaben den gesamten Begleitpart in einer Art ritueller Grundhaltung, korrespondieren mit den Solostimmen und untereinander dabei stets.“, beschreibt einer der beiden künstlerischen Leiter des Ensembles, Gerhard Scherer, das neue Werk Chings. „Das Arbeiten mit dem vorgelegten Material und der geforderten konzentriert-ritualisierten Darstellungsweise sowie mit dem Background der verstörend-faszinierenden Denkungsart eines William Blake zusammen mit dem bedeutenden Komponisten Ching kann durchaus als eine herausragende Jugendarbeit angesehen werden. Grenzen werden rundum negiert und unnötig, Hierarchie stellt sich nicht ein.“

Auf dem Programm steht außerdem „Goldberg spielt“ (2000) von Moritz Eggert (*1965). Moritz Eggerts Werk ist natürlich eine Auseinandersetzung mit Johann Sebastian Bachs Goldberg Variationen von 1741. Geschrieben für den Grafen Keyerlinck, ließ dieser den Cembalisten Johann Gottlieb Goldberg die Variationen zur Unterhaltung seiner schlaflosen Nächte spielen. Ensembleleiter Jobst Liebrecht über das Werk Eggerts: „Diesem „Heiligtum“ der Musik nähert sich der Komponist mit Liebe und Ehrerbietung, jedoch jederzeit frei und unkonventionell. Mit der gehörigen Chuzpe behauptet er seine eigene Tonsprache, die von der ersten Variation an sich auf das Material der Bach-Variationen sozusagen stürzt. Insbesondere auch die Trennung zwischen E und U hat Moritz Eg­gert nie akzeptiert, seine Musik unterhält jederzeit und ist ernst gleichermaßen.“

Erstmalig präsentiert das Landesjugendensemble Neue Musik Berlin in diesem Jahr Preis­träger des Landeswettbewerbs Jugend musiziert Berlin, die sich besonders durch die Beschäf­tigung mit Werken der Neuen Musik ausgezeichnet haben. Dabei finden sich Eigenkomposi­tionen, Stücke aus der „klassischen“ Phase der Neuen Musik, interessante Bearbeitungen und ungewöhnliche Instrumentenkombinationen.

Ausführliche Informationen zum Konzertprogramm

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18. Oktober 2014 Konzert in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin

Konzert des Landesjugendensembles Neue Musik Berlin 18. Oktober 2014, 20 Uhr, Tischlerei der Deutschen Oper Berlin

Musikalische Leitung: Gerhard Scherer und Jobst Liebrecht

Solistinnen:
Karina Repova, Mezzosopran
Marika Ikeya, Violine

Programm:
Juliane Klein: weit – weiter (2005)
Sarah Nemtsov: communication – lost-found? (2006, Neufassung 2014)
Katia Tchemberdji: Ouverture für Kammerensemble (2014)
Myriam Marbe: Sym–phonia „Auf einmal musste ich singen“ (1996) 
Isabel Mundry: Gefächerter Ort (2007/2009) 
Mayako Kubo: Das Meer - für Kammerensemble und Mezzosopran (2014) 

Weitere Konzerte dieser Arbeitsphase:
6. September 2014, St. Annen Kirche Zepernick
30. Oktober 2014, Grand Hotel Ahrenshoop
8. November 2014, Sophiensäle Berlin

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17. Mai 2014 Konzert im Konzerthaus Berlin

Konzert des Landesjugendensembles Neue Musik Berlin 17. Mai 2014, 20 Uhr, Werner-Otto-Saal des Konzerthauses Berlin

Musikalische Leitung: Gerhard Scherer und Jobst Liebrecht

Chor: neuer chor berlin (Leitung: Maike Bühle)

Solistin: Karina Repova, Mezzosopran

Programm:

Myriam Marbe: Sym - phonia (1996) 
Isabel Mundry: Gefächerter Ort (2007/2009) 
Ensemble-Improvisationen 
Katia Tchemberdji: Ouvertüre (2014) - Uraufführung 
Mayako Kubo: Das Meer (2014) - Uraufführung


Das noch ganz junge Landesjugendensemble Neue Musik probt in seiner dritten Arbeitsphase die Uraufführung von „Das Meer“ der japanischen Komponistin Mayako Kubo. Das Werk, das sich mit der Tsunami-Katastrophe von Fukushima befasst, ist im Auftrag des Landesmusikrats Berlin entstanden und von der in Berlin lebenden Mayako Kubo dem Landesjugendensemble Neue Musik „auf den Leib“ komponiert worden.

„Musik nach Fukushima zu schreiben, ist nicht möglich“, meint Mayako Kubo. „Nach einer Katastrophe ein Gedicht zu schreiben, ist möglich. Aber eine Musik? Wenn Musik meine Sprache ist, kann ich durch Musik Trauer, Wut, Freude zum Ausdruck bringen. Musik ist nicht der Zweck, sondern das Ziel, in dem sich Klänge und Text vereinen. Sie bringt zum Ausdruck, was ist: Schönheit und Schrecken, Gewalt und Würde – der Natur, des Menschen, der Musik“.

„Das Meer“ basiert auf zwei Gedichten von Giuseppe Ungaretti, übertragen von Ingeborg Bachmann: Finale und Freude der Schiffbrüche. Mayako Kubo verwendet ein Ensemble mit einfach besetzten Holz- und Blechbläsern sowie 2 Schlagzeugern, Akkordeon, Klavier, Gitarre und sechs Streichern. Den Instrumentalisten stellt sie eine Mezzosopranistin und einen Chor zur Seite, der die Hoffnung und Wärme in der Gemeinschaft symbolisiert. Die Musik ist für die jungen MusikerInnen geschrieben, Mayako Kubo erklärt: „Neue Musik ist besonders geeignet für aktuelle Themen. Neue Spieltechniken ermöglichen eine Verfremdung der Klänge. Sie machen die jungen Musiker neugierig und die jungen Musiker machen die Musik lebendig.“

Die in Moskau gebürtige Komponistin Katja Tchemberdji besuchte ein Konzert des Landesjugendensembles Neue Musik und beschloss spontan, ein Werk für das Ensemble zu komponieren: „Ouvertüre“ entstand im Auftrag des Landesmusikrats und wird derzeit für die Uraufführung am 17. Mai, 20 Uhr im Werner-Otto-Saal des Konzerthauses geprobt.

Die Ouvertüre - das Stück vor dem Stück – „entfaltet sich im orchestralen Raum, in dem die Instrumentengruppen Holzbläser, Streicher, Klavier/Akkordeon, Gitarre/Harfe/Schlagzeug – als Klangschichten gedacht – sich zu- oder voneinander dynamisch bewegen und sich irrealen Charakteren auf der virtuellen Bühne annähern“, so die Komponistin über ihr Werk. „Am Ende geht der imaginäre Vorhang auf - die Eröffnung einer Oper. Wobei die letzte aber nicht gespielt wird.“

Zwei junge syrische Kriegsflüchtlinge sind neue Mitglieder im Ensemble

Neue Musik macht neugierig – dies bestätigt die große Attraktivität, die das Projekt des Landesmusikrats auf junge Musiker ausübt. Die meisten sind zwischen 14 und 18 Jahre alt, darunter auch zwei Jugendliche, die erst seit einigen Monaten in Berlin leben: Ghada Khoury (Querflöte und Gesang) und Ghaith Al-Shaar (Horn und syrische Laute) flüchteten vor den Kriegsgeschehnissen in Syrien und fanden in Berlin ein neues Zuhause.

Im Landesjugendensemble erleben sie Integration, auch über sprachliche Barrieren hinweg. Ins Programm eingebettet sind Improvisationen, in denen die Ensemblemitglieder frei mit Klängen, Tempi und Dynamik spielen. Eine Improvisation ist von Ensembleleiter Gerhard Scherer um die beiden syrischen Musiker angelegt. Beide stehen mit ihren Instrumenten – Gesang und syrische Laute – im Mittelpunkt, alle anderen gruppieren sich klanglich um das Duo herum.

Wo das Unaussprechliche in Worten kaum auszudrücken ist, kann Musik Mittlerin sein. Krieg und Naturkatastrophen sind durch Musik selbstverständlich nicht zu überwinden. Aber sie kann helfen, Emotionen zum Ausdruck zu bringen, die schwer zu fassen sind, sich dem Unfassbaren zu nähern, wo Worte versagen.

„Das ist meine erste Erfahrung mit Neuer Musik – zum Teil schon sehr bizarr!“, findet Ghada. Und Ghaith fügt hinzu: „Vielen Dank, dass wir dabei sein dürfen und diese Erfahrung machen können!“

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28. September 2013 Konzert in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin

Konzert des Landesjugendensembles Neue Musik Berlin 28. September 2013, 20 Uhr, Tischlerei der Deutschen Oper Berlin

Musikalische Leitung: Gerhard Scherer und Jobst Liebrecht

Programm:
Georg Katzer: Besteigung eines mittleren Gipfels (1998) - Auf den Stufen des Kreuzbergs 
Panos Iliopoulos: eKkReMeS: 1. Satz (2012) 
Jobst Liebrecht: Amherst chambers – Variationen für Oktett (2010) 
Landesjugendensemble: Improvisation I: Phasen (2013) - Uraufführung
Friedrich Schenker: Konzert für Vierzehn (2007) 
Francesco Filidei: I funerali dell’anarchico Serantini (2008) 
Panos Iliopoulos: eKkReMeS: 2. Satz (2013)
Sidney Corbett: Lines für Malte Spohr (2006) 
Panos Iliopoulos: eKkReMeS: 3. Satz (2013) - Uraufführung
Hans Werner Henze/Jobst Liebrecht: Nebelheim und Sonnenland (2010/13) - Uraufführung

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10. Mai 2013 - Erstes Konzert im Konzerthaus Berlin

1. Konzert des Landesjugendensembles Neue Musik!

10. Mai 2013, 20 Uhr, Werner-Otto-Saal des Konzerthauses Berlin

Musikalische Leitung: Gerhard Scherer und Jobst Liebrecht

Programm:

Friedrich Schenker: Konzert für Vierzehn (2007) - Uraufführung
Lorenz Dangel: Musica distillata (2010) - Uraufführung

Improvisationen:

Paul Hindemith: Kammermusik Nr. 1 (1921) 
Luigi Nono: Polifonica, Monodia, Ritmica (1951) 
Francesco Filidei: I funerali dell'anarchico Serantini (2008)