Drei Leben: Neue Folgen „Musikalische Stolpersteine“ auf rbb radio3
Im Februar sendet rbb radio 3 drei neue Folgen der Podcast-Reihe „Musikalische Stolpersteine“. Das vom Landesmusikrat Berlin e.V. initiierte Schulprojekt erinnert an Komponistinnen und Komponisten, die während des Nationalsozialismus verfolgt wurden.
Berliner Schülerinnen und Schüler haben mit Unterstützung des Fördervereins musica reanimata und Redakteur:innen von rbb radio3 drei neue Podcast-Folgen der „Musikalischen Stolpersteine“ fertig gestellt. Die Beiträge erinnern an Cioma Schönhaus, Jakob Dymont und Salo Siegfried Translateur. Manche Biografie ist heute weitgehend vergessen. Wer weiß schon, dass die unter dem Namen „Sportpalastwalzer“ bekannte Erkennungsmelodie des Berliner Sechstagerennens aus der Feder des Komponisten Salo Siegfried Translateur stammt? Im April 1943 zusammen mit seiner Frau Meta aus Berlin-Wilmersdorf deportiert, starb Translateur am 1. März 1944 im Ghetto Theresienstadt, auch seine Frau wurde Opfer des Holocaust. Mit Salo Siegfried Translateur (1875 – 1944) setzten sich Schüler:innen der Wolfgang-Borchert-Schule Spandau auseinander.
Cioma Schönhaus (1922 -2015) war Grafiker. Seine Geschichte erzählte er in seiner Autobiografie „Der Passfälscher“, die später verfilmt wurde. Obwohl er kein Komponist war, wurde ihm ein „Musikalischer Stolperstein“ gewidmet. Seine Söhne, die späteren Klezmer-Musiker Sascha und David Schönhaus, hatte Cioma Schönhaus mit Klezmer-Liedern vertraut gemacht. Der Musikleistungskurs des Arndt-Gymnasiums in Berlin-Dahlem traf Sascha Schönhaus in Berlin und erfuhr auf eindrucksvolle Weise, wie Cioma Schönhaus der Gestapo entkam und mit den von ihm gefälschten Pässen jüdischen Berlinerinnen und Berlinern zur Flucht verhalf. Seine Söhne erinnerten mit der Gründung des Klezmer-Orchesters BAIT JAFFE auch an das jüdische Erbe ihres Vaters.
Jakob Dymont (1880 -1956) kam als Fünfzehnjähriger aus Litauen nach Berlin. Hier fasste er schnell Fuß und arbeitete als Chorleiter, Lehrer am Kantorenseminar und später als Kantor in der Synagoge Rykestraße – ein Ort, der unweit des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums liegt. Schülerinnen und Schüler dieses Gymnasiums in Berlin- Prenzlauer Berg konnten mit einem in den USA lebenden Enkel Jakob Dymonts ein Online-Gespräch führen. Vor seiner Flucht nach New York im Jahr 1938 hatte Jakob Dymont als Synagogenmusiker die osteuropäisch-jüdische Tradition mit westeuropäischen Musikformen verbunden.
Die Initiative „Musikalische Stolpersteine“, war im November 2025 auch Thema einer gleichnamigen Konferenz in Berlin, dazu ist gerade der Reader „Musikalische Stolpersteine“ erschienen.
Eine weitere Finanzierung des Projekts wurde beantragt.
Sendetermine: (jeweils um 12 Uhr auf rbb radio 3)
10.02. Musikalischer Stolperstein 10 – Cioma Schönhaus
17.02. Musikalischer Stolperstein 11 – Jakob Dymont
24.02. Musikalischer Stolperstein 12 – Salo Siegfried Translateur
Ansprechpartnerinnen:
Anna Gerhards
Projektleiterin Musikalische Stolpersteine
E-Mail:
Christina Bylow
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Landesmusikrat Berlin e.V.
E-Mail:
Der Landesmusikrat Berlin e.V. setzt sich für die Institutionen und Verbände ein, die das Berliner Musikleben prägen. Er vertritt und koordiniert die musikpolitischen Interessen seiner Mitglieder und berät den Senat und die Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus. In eigenen Projekten wirkt der Landesmusikrat selbst in die Kulturlandschaft Berlin hinein. Dabei nimmt er besonders den musikalischen Nachwuchs in den Blick.
Website: https://www.landesmusikrat-berlin.de