BERLINER RESONANZENDer Newsletter des Landesmusikats Berlin e.V. |
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
der großartige Count Basie hat einmal gesagt: „Wenn du heute Nacht einen Ton findest, der gut klingt, dann spiel verdammt noch mal jeden Abend genau denselben Ton!“ Ein herrlich minimalistischer Rat – aber als frisch gewählter Präsident des Landesmusikrats Berlin werde ich mich kaum daran halten können. Dafür gibt es in unserer Stadt einfach zu viel zu besprechen und zu bewegen, als dass wir uns auf nur einer Note ausruhen dürften. Für Ihr Vertrauen sage ich von Herzen danke! Musik hat mein Leben komplett auf den Kopf gestellt. Während meiner Ausbildung zum Plast- und Elastfacharbeiter im Reifenkombinat „Pneumant“ stolperte ich zufällig in den Free Jazz. Ein Kulturschock, der mich lichterloh entflammt hat. Und im Grunde ist es eine Frage der Physik: Aus der gepressten Luft im Reifen wurde damals für mich die freie Luft in der Musik. Als ich viel später selbst auf der Bühne stand, wurde mir klar: Zu improvisieren ist pure Befreiung. Es wirft jedes starre Korsett ab und öffnet eine Welt, die radikal auf Austausch, auf Call and Response, angewiesen ist. Grenzen werden eingerissen, künstlerisch wie gesellschaftlich. Improvisation ist die intensivste Form der Interaktion – und ihr Fundament ist das präzise Zuhören. Diese Überzeugung hat mich schon als Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung geleitet. Denn genau hier schließt sich der Kreis: Wie die politische, so dient auch die kulturelle Bildung der Persönlichkeitsentwicklung – und zwar weit über alle Sprachgrenzen hinweg. Sie befähigt Menschen zur Teilhabe. Als Präsident werde ich die gesamte, unbändige Vielfalt dieser Stadt vertreten, in der jeder Bereich eine ganz eigene, unersetzliche Kraft entfaltet. Da sind die Schulen und Musikschulen, die als unverzichtbare Basis das Fundament für ein Leben voller Kreativität legen. Unsere Nachwuchsensembles und Hochschulen sichern als Exzellenzschmieden mit visionärem Mut die musikalische Zukunft, während die Amateurmusik das demokratische Herz Berlins bildet, das Gemeinschaft im Klang spürbar macht. Und nicht zuletzt die Freie Szene, die als radikales Innovationslabor mit freien Tönen und ästhetischen Wagnissen internationale Maßstäbe setzt. Diese Genres sind absolut selbstwirksam, haben aber alle ihre eigenen Baustellen. Gerade in der Freien Szene sind die Arbeitsbedingungen viel zu oft prekär. Das müssen wir ändern. Kultur ist kein Luxus, sondern das Fundament Berlins. Dieses Engagement gehört unüberhörbar in die Stadtpolitik. Und wenn es sein muss, wird der Landesmusikrat der Stadt mit all seinen Mitgliedern auch mal gehörig den Marsch blasen. Oder um es mit Wilhelm Busch zu sagen: „Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden.“ Sorgen wir gemeinsam für die richtigen Geräusche. Ran an die Instrumente – und immer mit einem offenen Ohr füreinander!
Herzliche Grüße
Thomas Krüger Präsident des Landesmusikrats Berlin
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 | „Die Kultur hat ein autonomes Existenzrecht“ | Im Gespräch mit Jascha Nemtsov Der Pianist und Musikwissenschaftler Jascha Nemtsov ist seit 2013 Professor für Geschichte der jüdischen Musik an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar. Er hat über 40 CDs eingespielt, darunter zahlreiche Werke verfolgter Komponisten und wurde mehrfach international ausgezeichnet. Seine Forschung befasst sich mit jüdischer Musik und Themen wie Nationalismus, Religion und Totalitarismus im Kontext der Musik.
Welches musikalische Erlebnis hat Sie zuletzt begeistert? Die 2. Sinfonie von Gustav Mahler, in einer Einspielung von Leonard Bernstein. Ich werde sie in meine Vorlesung „Christlich-jüdische Endzeitvorstellungen in der Musik“ einbeziehen, zusammen mit anderen Werken, die in diesem Zusammenhang wichtig sind. In der Vorbereitung meiner Vorlesungen verbringe ich häufig viel Zeit damit, die Aufnahmen herauszusuchen, die mich selbst bewegen und ansprechen, und das sind in der Regel die alten Aufnahmen. Sie haben eine Substanz, die man heute immer seltener findet.
Sie begleiten unser Projekt „Musikalische Stolpersteine“ von Anfang an. Auch während der Entstehung der kommenden Podcast-Folge über den Komponisten und Musiker Israel Brandmann haben Sie den Schüler:innen Impulse und Informationen gegeben. Wie sind Sie selbst auf den Komponisten aufmerksam geworden? Israel Brandmann war vollkommen vergessen. Als ich vor einigen Jahren in den Archiven über das jüdische Musikleben in Wien zwischen den beiden Weltkriegen recherchiert habe, ist mir immer wieder sein Name in der damaligen Presse begegnet. Als Geiger, Komponist und Dirigent. Ein offensichtlich sehr begabter junger Musiker, der noch dazu so vielfältig wirkte. Er leitete damals auch den Wiener Jüdischen Gesangverein, eigentlich ein Laienchor. Doch mit Israel Brandmann gewann dieser Chor in kurzer Zeit eine fast professionelle Qualität, trat im Wiener Konzerthaus auf und erweiterte sein Repertoire, auch um Werke, die Brandmann für den Chor schrieb. Ich konnte damals nur wenige Druckausgaben seiner Werke finden. Ein paar Jahre später entdeckte ein Archivar vom Jewish Theological Seminary in New York im Keller der Bibliothek eine Kiste mit dem Nachlass von Israel Brandmann. Das war zwar nicht besonders viel, aber unter anderem fand sich dort auch das Manuskript seines symphonischen Poems „Die Pioniere“, und das wird nächstes Jahr tatsächlich in der Nähe seines Geburtsortes in der Ukraine aufgeführt. Von einem in Wien aufgewachsenen Japaner, der als ständiger Gastdirigent mit einem ukrainischen Orchester arbeitet.
Der Jugendchor der Staatsoper Unter den Linden wird für den Podcast drei Chorstücke singen. Was charakterisiert die Musik Israel Brandmanns? Wichtig für ihn war eine Strömung, die in den 1930er-Jahren in vielen europäischen musikalischen Kulturen präsent war: Der Neofolklorismus. Aus der Entdeckung der Folklore haben viele Komponisten eine Bereicherung der Musiksprache erwartet. Auch in den Liedern von Brandmann, die unter dem Titel „Palästinensische Hirtenweisen“ uraufgeführt wurden, und die nun der Jugendchor der Staatsoper Unter den Linden einstudiert, ist das zu hören. Brandmann hatte in den 1920er-Jahren im damaligen Palästina gelebt, bevor er nach Wien ging, um Komposition zu studieren.
Sie haben Israel Brandmann in Ihrem Buch „Doppelt vertrieben: Deutsch-jüdische Komponisten aus dem östlichen Europa in Palästina/Israel“ ein umfangreiches Kapitel gewidmet. Worin bestand seine doppelte Vertreibung? Es geht in diesem Buch um einige jüdische Musiker, die in der deutsch-osteuropäischen Kultur aufgewachsen sind. Die deutsche Sprache war bei weitem nicht auf Deutschland oder Österreich-Ungarn beschränkt: Deutsch war damals auch die Bildungssprache vieler Juden in Osteuropa. Und diese Menschen haben ihr Bildungsmilieu verloren, als sie Richtung Westeuropa zogen oder in vielen Fällen auch ziehen mussten, sie wurden von dort vertrieben. Im Nationalsozialismus wurden sie ein zweites Mal aus ihrer Kultur verjagt. Israel Brandmann gelang die Flucht nach Palästina, aber er vermisste die Stadt Wien und das reichhaltige Musikleben dort, sein musikalisches Netzwerk, das er in Wien aufgebaut hatte. Er hat in Tel Aviv noch einen Arbeiterchor geleitet, aber komponiert hat er nicht mehr. Seine Lebensumstände müssen sehr schwierig gewesen sein.
Sie waren während der Entstehung einiger Podcasts zu Gast in den jeweiligen Schulen. Wie erleben Sie die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit der Thematik? Ich finde das Projekt großartig, und ich bin wirklich sehr glücklich, dass ich dabei mitmachen darf. In den Schulen habe ich ausnahmslos schöne Erfahrungen mit den Jugendlichen gemacht. Es waren immer anregende Gespräche, die Jugendlichen waren gut vorbereitet und haben sehr kluge Fragen gestellt.
Die „Musikalischen Stolpersteine“ wurden auch mit dem Ziel der Antisemitismus-Prävention initiiert. Glauben Sie, dass es möglich ist, mit diesem Projekt Jugendliche zu erreichen, die bereits mit antisemitischen Einflüssen konfrontiert sind? Bestimmte Kulturangebote und Aufklärung haben sicher eine gewisse Wirkung, aber ich glaube, dass man Kultur nicht utilitaristisch sehen sollte. Das heißt: Wenn sie einen Nutzen hat, wird sie gemacht, und wenn sie keinen Nutzen hat, dann nicht. Im Hinblick auf gesellschaftspolitische Themen wie Antisemitismusbekämpfung ist Kultur wichtig, aber die Kultur hat auch ein autonomes Existenzrecht. Wir können nicht ohne Kultur leben, wir sind ohne Kultur keine zivilisierten Menschen. Und besonders für die emotionale und intellektuelle Entwicklung der jungen Menschen ist die Beschäftigung mit Kultur essenziell. Wir sehen es am Beispiel Israel Brandmann: In der Auseinandersetzung mit diesem Komponisten öffnen sich Horizonte, historische, soziale und musikalische Zusammenhänge werden sichtbar. Das ist für die Schüler an sich schon ein Erlebnis. Und was diejenigen angeht, die all das nicht erreicht: Es ist ein freiwilliges Angebot, und ich glaube nicht, dass sich Jugendliche dafür anmelden, die sich bereits in einem Dunstkreis von Antisemitismus bewegen. Die kommen gar nicht.
Jenseits der Schule: Im Juni haben Sie im Deutschlandfunk an den Antisemitismus Richard Wagners erinnert – aus Anlass der Kontroversen um die Gedenkveranstaltung „Verstummte Stimmen“ während des 150-jährigen Jubiläums der Bayreuther Festspiele. Dabei kritisierten Sie, dass Bayreuth noch immer unterscheide zwischen Wagners Weltbild, seinen Schriften und der Musik, dabei sei beides untrennbar miteinander verbunden. Hat die Festspielleitung darauf reagiert? Nein, es gab nur insofern eine Reaktion, als dass viele Medien danach weitere Interviews mit mir führen wollten. Die Geschichte der Aufarbeitung von Bayreuths Rolle während des Nationalsozialismus und weit darüber hinaus ist eine Art Verteidigungsstrategie, bei der man immer nur das zugibt, was sowieso schon alle wissen. Daran ändert sich nichts, solange sich die Bayreuther Festspiele nicht anderen Komponistinnen und Komponisten öffnen. Das ist der einzige Weg, der die Festspiele auch mit demokratischen Werten in Einklang bringt. Aber darüber wird nicht gesprochen. Und da die Verbindungen zu den höchsten politischen Stellen sehr stark sind, bin ich im Hinblick auf mögliche Veränderungen nicht besonders optimistisch.
Das Interview führte Christina Bylow. |
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 | Standpunkt„Es geht nicht um die Überzeugungen von Menschen, die sich ihr Bild schon gemacht haben. Es geht auch darum, sich gegenseitig zu unterstützen, sich Solidarität zuzusprechen und zu sagen: Wir sind nicht allein. Auch wenn die mediale Debatte laut ist und von populistischen Stimmen bestimmt wird – es gibt auch die anderen, und wir sind viele.“
Prof. Lydia Grün, Präsidentin des Deutschen Musikrats über die Initiative „Demokratie sowieso!“. Im Interview mit Deutschlandfunk Kultur, Sendung Tonart, 14. August 2026. Weitere Informationen erhalten Sie hier.
Neuer Präsident, neues Präsidium Mit Thomas Krüger wurde am 2. September 2026 in der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ eine herausragende Persönlichkeit des politischen Lebens der Bundesrepublik Deutschland zum Präsidenten des Landesmusikrats Berlin gewählt. Der 1959 in Thüringen geborene Theologe war von 2000 bis 2025 Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung. In den 1990er-Jahren hatte er mehrere politische Ämter inne, war Senator für Jugend und Familie der Berliner Landesregierung und SPD-Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Neben seiner Tätigkeit engagierte er sich kontinuierlich für kulturelle Bildung, war Aufsichtsratsmitglied der Initiative Musik und gehörte der Jury des Musikfonds an. Thomas Krüger folgt auf Hella Dunger-Löper, die nach 9 Jahren Amtszeit nicht mehr für das Amt der Präsidentin kandidierte. In der Generalversammlung wurde dem Abgeordneten Dennis Haustein (CDU) in Anerkennung seines Engagements für die Amateurmusikszene sowie für die Berliner Musikschulen und Jugend musiziert Berlin die Goldene Ehrennadel des Landesmusikrats verliehen. Ein gemeinsamer Antrag von fünf Verbänden der Freien Szene wird von der Generalversammlung unterstützt: Sie fordern bessere infrastrukturelle, finanzielle und organisatorische Bedingungen für die Freie Musikszene Berlin, u.a. durch gesicherte Spielstätten, professionelle Proberäume, angepasste Förderstrukturen und faire Honorare. Weitere Informationen finden Sie hier.
Informiert wählen In zehn Tagen, am 20. September 2026, wählt Berlin neue Vertreter:innen für das Abgeordnetenhaus. Im Rahmen unserer Kampagne #DeineStimmefuerMusik hat der Landesmusikrat Berlin den Parteien Forderungen vorgelegt, die für die musikalische Bildung in Schulen, Musikschulen, Hochschulen und im Bereich der Amateurmusik unerlässlich sind. Diese „Wahlprüfsteine“ haben wir auf unserer Webseite zusammengefasst. Die Antworten der Parteien auf unsere Wahlprüfsteine finden Sie hier. Es ist auch jetzt noch sinnvoll, mit Kandidierenden in Ihren Wahlkreisen ins Gespräch zu kommen und sie auf unsere Ziele hinzuweisen. Nutzen Sie dafür gern die Materialien auf unserer Kampagnenseite.
Stärkung der Amateurmusik 38% der Berliner:innen machen in ihrer Freizeit Musik – doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt. Was das für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die dort tätigen Musiker:innen bedeutet, werden wir aus unterschiedlichen Perspektiven und mit versierten Gästen betrachten.
Stimmungsmacher - was Betriebsensembles leisten 26. Jour fixe "Musik und Stadt" Montag, 14. September 2026, 19 Uhr ALEX Berlin, Fernsehstudio, Rudolfstraße 1–8, 10245 Berlin Bitte melden Sie sich für eine Teilnahme bis zum 12. September 2026 hier an.
Dirigieren in Berlin - Arbeitsplatz Amateurmusik 27. Jour fixe "Musik und Stadt" Montag, 21. September 2026, 19 Uhr, ALEX Berlin, Fernsehstudio. Bitte melden Sie sich hier an.
Sterndemo Berlin Am 12. September 2026 — eine Woche vor der Berlin-Wahl — ruft ein breites Bündnis aus fast 100 Organisationen, Initiativen und Gewerkschaften zur Sterndemonstration auf. Sieben thematische Demonstrationszüge bündeln die Themen und Forderungen der Berliner Zivilgesellschaft. Um 16 Uhr mündet die Demonstration in die gemeinsame Abschlusskundgebung am Roten Rathaus. Weitere Informationen finden Sie hier.
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| | Â | Aus den Projekten des Landesmusikrats Berlin e.V. |
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 | Instrumentale Amateurmusik | Rhythm is it! Musik liegt in der Luft! Zum ersten Mal bereichern zehn Amateurmusikensembles aus Berlin das STADT UND LAND Festival der Riesendrachen auf dem Tempelhofer Feld am 12. September 2026 von 11 bis 18:30 Uhr. Während die knallbunten Gebilde in den Himmel steigen, sorgen Bigbands, Jazzformationen, Blasorchester und andere Ensembles für den Soundtrack zur Show. Auf einer eigens für sie errichteten Bühne zeigt sich die Berliner Amateurmusikszene in ihrer ganzen Vielfalt. Informationen finden Sie hier.
Amateurmusik beim BMW BERLIN-MARATHON 42,195 Kilometer, Tausende Läufer:innen – und prominent am Rand: Live-Musik von Berliner Amateurmusikensembles! Am 27. September 2026 stehen wieder ausgewählte Amateurmusiker:innen an der Strecke des BMW BERLIN-MARATHONS und motivieren die Sportler:innen mit treibenden Rhythmen. Ob Band, Trommelgruppe oder Combo – auch das Publikum hat seinen Spaß. |  | Jugendensemble Alte Musik | Gartenspiele Glückseligkeit beim Open-Air-Konzert im Schlosspark Köthen am 30. August 2026: Das Jugendensemble Alte Musik (JAM) war zu Gast bei den Köthener Bachfesttagen 2026. Im Mittelpunkt des Programms: Paul Gerhardt. Am 24. Oktober 2026 um 19:30 Uhr folgt das Abschlusskonzert der diesjährigen Herbstarbeitsphase unter dem Titel "All in a Garden Green - Eine Reise durch das goldene Zeitalter englischer Musik" im Musikinstrumenten-Museum des Staatlichen Instituts für Musikforschung. |  | Musikalische Stolpersteine | Neues Projekt: Stolpersteine der Erinnerung: Musik und Literatur gegen das Vergessen. Nun auch mit Literatur und in vier weiteren Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Sachsen übernehmen das Berliner Leuchtturmprojekt „Musikalische Stolpersteine“. In Berlin wird das erfolgreiche Bildungsformat um Podcasts über NS-verfolgte Schriftsteller:innen erweitert. Gefördert wird das neue Projekt unter dem Titel „Stolpersteine der Erinnerung – Musik und Literatur gegen das Vergessen“ von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ). Umgesetzt wird das neue Projekt mit Beginn des neuen Schuljahres von den Landesmusikräten in den jeweiligen Bundesländern und der Landeszentrale für politische Bildung in Mecklenburg-Vorpommern. In Berlin haben Schüler:innen nun auch die Möglichkeit, sich im Projekt „Literarische Stolpersteine“ mit NS-verfolgten Schriftsteller:innen auseinanderzusetzen.
Europäische Perspektiven Die zweite Konferenz „Musikalische Stolpersteine“ am 28. September 2026 von 16 - 21 Uhr in der Mendelssohn-Remise knüpft an die erste Konferenz vom November 2025 an. Sie bringt Berliner Initiativen aus dem Bereich der Erinnerungskultur mit Außenperspektiven aus dem europäischen Ausland und anderen Bundesländern zusammen und schafft Raum für den Austausch über zeitgemäße Formen des Erinnerns – zwischen Initiativen, Projektbeteiligten und Vertreter:innen der Politik. Im Mittelpunkt steht das Potenzial kreativ-künstlerischer Antisemitismusprävention und Erinnerungskultur. Die Teilnahme ist kostenlos. Hier geht es zur Anmeldung.
Wolpe, Schumann, Brandmann: Neue Podcast-Folgen ab 13. Oktober 2026 In Kooperation mit musica reanimata e.V., der berlinHistory App und rbb radio 3 erarbeiten Berliner Schüler:innen unter Anleitung von Hörfunkjournalist:innen Porträts NS-verfolgter Komponist:innen. Ab dem 13. Oktober 2026 werden jeweils dienstags um 12:10 Uhr drei neue Podcast-Folgen der Musikalischen Stolpersteine auf rbb radio 3 gesendet: Das Rheingau-Gymnasium Friedenau befasste sich mit Stefan Wolpe – 1902 in Berlin geboren, geprägt von der Avantgarde der Weimarer Republik, später im amerikanischen Exil als Lehrer und Komponist einflussreich. Die Bötzow-Grundschule in Pankow erstellte einen Podcast über Coco Schumann, der den Jazz in Deutschland maßgeblich geprägt hat. Der 1924 in Berlin geborene Musiker und Komponist überlebte mehrere Konzentrationslager sowie das NS-Vernichtungslager Auschwitz. Er starb 2018 in Berlin. Das Werk des Geigers, Dirigenten und Komponisten Israel Brandmann (1901-1993) wurde von Jascha Nemtsov wiederentdeckt. Mit Israel Brandmann befassten sich Schüler:innen des Max-Planck-Gymnasiums in Berlin-Mitte. |  | Instrument des Jahres | Klänge einer Ausstellung Die beliebte Wanderausstellung „600 Akkordeons. Eure Geschichten. Unser Berlin“ befindet sich gerade an ihrer vierten Station: Bis zum 26. September ist sie noch im Allee-Center Berlin in Berlin-Lichtenberg zu erleben, mitsamt einem abwechslungsreichen, musikalischen Programm. Am 12. Oktober wird die Wanderausstellung dann in der East Side Mall eröffnet. Dort ist sie bis 31. Oktober zu sehen. Informationen und Termine finden sich hier.
Bei offenen Fenstern In unserer Konzertreihe „Global Sound Stories – Akkordeon trifft Literatur“ begegnen sich am 29. Oktober 2026, 19 Uhr im REFO Moabit die mehrfach ausgezeichnete Autorin Yevgenia Belorusets und das „Motion Trio“ von Janusz Wojtarowicz, Paweł Baranek und Marcin Głądziyn. Die Autorin reist dabei mit ihrem Text zurück in die Sowjetzeit - in eine Zeit der Kontrolle, in der das Akkordeon einen privaten Raum des Austauschs schuf: „Musik aus offenen Fenstern – Eine private Zeitreise: Das Akkordeon im Kyjiw des 20. Jahrhunderts." Weitere Informationen und Tickets erhalten Sie hier. |  |
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