Interdisziplinarität in der Disziplin. Musikwissenschaft als akademisches Fach #3 (9)

20. Juni 2017
Beginn  19:15  Uhr
19:45
Universität der Künste Berlin, Raum Fa 322 Fasanenstraße 1b, 10623 Berlin


Chae-Lin Kim
(UdK Berlin, Musikwissenschaft): "Unbekannte Poesie" - eine gebärdensprachliche Annäherung an Helmut Oehrings Instrumentalwerk Foxfire Eins für Violoncello (1993)

 

Universität der Künste Berlin. Fakultät Musik
Institut für Musikwissenschaft, Musiktheorie, Komposition und Musikübertragung
Dorothea Hilzinger, Sandra Kebig, Prof. Dr. Dörte Schmidt 

 

Ringvorlesung SoSe 2017
Fasanenstraße 1b, 10623 Berlin
dienstags, 19-21 Uhr c.t.
ab 25.4.2017 in Raum Fa 322

 

Interdisziplinarität, Transdisziplinarität und andere Formen von fachlicher Grenzüberschreitung sind derzeit unangefochtene Ideale des wissenschaftlichen Arbeitens. Was aber ist eine Disziplin, zumal wenn sie bereits in sich so vielgestaltig ist wie das akademische Fach Musikwissenschaft? Rudolf Stephan, Emeritus der Freien Universität Berlin, definierte 1957 in seinem Eintrag zur Musikwissenschaft in dem von ihm herausgegebenen Fischer-Lexikon Musik das Fach als eine Disziplin mit vielen Dimensionen:

 

„Musikwissenschaft nennt man jenen Zweig der allgemeinen Kunstwissenschaft, dessen Objekt die Musik ist. Der Begriff besagt zunächst, daß es sich um eine wissenschaftliche, d.h. theoretische Beschäftigung mit Musik handeln, also alles umfassen kann, was nicht praktische Musikausübung ist. […] Ziel der Musikwissenschaft ist es, zu allgemeingültigen Aussagen über Musik zu kommen. Da es nicht nur eine Musik, sondern zahlreiche ,Musiken‘ (Musikarten) gibt, wird der Gegenstand wissenschaftlicher Betätigung im allgemeinen nicht der Gesamtbereich der Musik sein, sondern eine bestimmte Musikart. […] Gliedert sich die Musikwissenschaft auch in viele Teilgebiete, die unterschiedliche Methoden anwenden, so sind doch alle eng miteinander verbunden, bzw. gehen ineinander über.“

 

So erweist sich der Gegenstand, der die Einheit der Disziplin so selbstbewusst im Namen sichert, letztlich als Kollektivsingular und schon von daher als schlecht geeignet, die Einheit des Faches zu sichern. Und auch die offensichtliche Methodenvielfalt des Faches bietet keinen einheitlichen Bezugspunkt (Guido Adler zählt 1885 in seiner berühmten Übersicht nicht weniger als 23 von ihm sogenannte Hilfswissenschaften auf, derer sich das Fach methodisch bedient). Stephan zeichnet auf dieser Grundlage das Bild einer netzartigen Verkettung und teilweisen Überblendung von methodisch inter- wenn nicht gar transdisziplinär  angelegten Arbeitsbereichen. Die Ringvorlesung will genau diese besonderen Bedingungen am Beispiel der Berliner Forschungslandschaft als disziplinäres Spezifikum innerhalb der musikwissenschaftlichen Forschungs-Topographie in Berlin intradisziplinärer Diskussion stellen.

 

Kooperationspartner:

Deutscher Hochschulverband, Gesellschaft für Musikforschung, Landesmusikrat Berlin

Zurück