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Porträt: Das Glockenspielorchester des Vereins «Integration durch Musizieren»

In der Orchestergemeinschaft „Integration durch Musizieren“ bemühen sich Menschen mit und ohne Behinderung, vom Kindes- bis zum Greisenalter um den Wohlklang eines lebendigen Spielwerks, das den Zauber der alten mechanischen Spieluhr neu erleben lässt. Der 1993 gegründete Verein ist eine drei Generationen übergreifende außerschulische Integrationsgemeinschaft, die einmal in der Woche zusammen kommt, um miteinander zu musizieren: Kinder, Jugendliche und deren Eltern, Nachbarn, Studenten, Sozialarbeiter, Musik- und Hochschullehrer und weiter ehrenamtliche Helfer. Integration als mitmenschliche Aufgabe und bildungspolitische Entscheidung ist dabei Weg und Ziel zugleich. Auch im außerschulischen Bereich soll verhindert werden, dass behinderte Menschen sich als Randgruppe selbst ausgrenzen oder ausgegrenzt werden.

In der Glockenspielgruppe wird nicht nach abstrakten Noten, sondern nach einem extra entwickelten Farbpunktsystem musiziert. Jeder behinderte Spieler hat als Grundschlag oder Dreiklangspieler so lange einen Betreuer bei sich, bis er sich freigespielt hat. Dieses seit Jahrzehnten bewährte Spielsystem wird unterstützt durch sensorische Hilfen in der Ohr-, Augen- und Hautwahrnehmung, einerseits als Entlastung und Kompensation des defizitären kognitiven Vermögens, andererseits als "Denken lernen mit den Sinnen".

Das aus der Resonanz sowie aus dem wachsenden Qualitätsbewusstsein der Spieler sich entwickelnde Selbstwertgefühl bekommt seine Bestätigung nicht aus Mitleid, sondern über die Anerkennung der musikalischen und sozialen Qualität dieses lebendigen menschlichen Spielwerks. Einbezogen zu sein in das musikalisches Mittun ermöglicht es auch auszuhalten, in der Orchestergemeinschaft beansprucht zu werden. Diese musikalische Sozialarbeit ist in ihrer Grundstruktur dem physikalischen Prinzip kommunizierender Röhren vergleichbar: Jeder soziale Zugewinn hebt den musikalischen Pegelstand, wie umgekehrt jeder Qualitätszuwachs im gemeinsamen Musizieren auch dem orchestergemeinschaftlichen Sozialgefüge zugute kommt.

Die Orchestergemeinschaft wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, bei jedem Konzert trägt ein Spieler die Auszeichnung.


Kontakt:

Renate Beese
Prieborner Str. 68
12526 Berlin

Tel./Fax: 030-676 68 17

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